|
Kein Abschalten, sondern ein Aufmerksam-Werden: Hellwachsein nach innen
und außen - darum geht es. Auch das meint Meditation in Bewegung-
kein gedankenverlorenes Dösen, sondern die aufmerksame Lebenshaltung,
die wir brauchen, um uns nicht überrollen zu lassen.
(go offline)
"Tai Chi" wird als "universaler Urzustand"
aufgefasst. "Tai Chi" meint in der taoistischen Philosophie
den Ursprung von Himmel und Erde, die Mutter des polaren Gestaltungsprinzips
"Yin und Yang" so kann "Tai Chi" als das "höchste
Prinzip", als das "letzte Gesetz" oder als das "erhabene
Letzte" übersetzt werden.
Das traditionelle Tai-Chi-Symbol macht diesen Zusammenhang
deutlich.
Yin (schwarz) und Yang (weiß) sind ineinander verschlungen und
gehen auseinander hervor. Erst beide zusammen bilden eine harmonische
Einheit, das Ganze - als Kreis dargestellt, sich gegenseitig umfließend.
Im dominantesten Yang findet sich - angedeutet durch den schwarzen Punkt
-
noch etwas Yin. Auch im ausgeprägtesten Yin findet sich - angedeutet
durch
den weißen Punkt - noch ein Teil Yang.
Für Tai Chi Chuan heißt das, dass Anspannung (Yang) und Entspannung
(Yin), Vorwartsdrängen (Yang) und Rückzug (Yin), Öffnen
(Yang) und Schließen (Yin) fließend ineinander übergehen
und aus sich hervor.
Aber auch die Gegensätzlichkeit in der Verbindung von Yin und Yang,
wird erkennbar in einem alten Lehrsatz des Tai Chi Chuan (in Bezug zur
Anwendung): "willst du vorwärts, gehe zurück, willst
du nach rechts, gehe nach links" usw.
Die Kombination der Silben "Tai Chi" und "Chuan"
("Chuan" heißt Faust) deutet auf den Kampfaspekt des
Tai Chi Chuan hin.
Dieses Bewegungssystem ist als Synthese aus uralten Kampfkünsten,
Atemtherapien und Meditationspraktiken entstanden.
Das genaue Entstehungsdatum des Tai Chi Chuan ist unklar,
es gibt hierzu verschiedene Legenden.
Klar aber ist, dass das in den letzten drei bis vier Jahrhunderten sich
herausbildende Tai Chi Chuan Vorläufersysteme hatte,
die mehrere tausend Jahre alt sind.
Seit der Zeit des Gelben Kaisers (2697-2597 v. Chr.) gab es
eine chinesische Medizin, deren grundlegendes Verständnis es war,
die
seelisch-körperliche Ganzheit des Menschen zu fördern und
vor dem Hintergrund dieser Gedankenwelt nicht nur therapierend,
sondern vorbeugend gegen Krankheiten vorzugehen.
So soll bereits 2200 v. Chr. Kaiser Yü Übungen für die
Bevölkerung entworfen haben, die in diesem Sinne praktiziert wurden.
So verwundert es auch nicht, wenn die erste Ausarbeitung
eines dem
heutigen Tai Chi Chuan ähnlichen Bewegungssystem - einem taoistischen
Mönch
und Meister der harten Kampfkünste, Chang San-Feng (12. Jahrhundert,
Sung-Dynastie) - zugeschrieben wird.
(Die Legende :)
Chang San-Feng war unzufrieden mit den - auf Muskelkraft beruhenden
-
äußeren Kampftechniken und suchte nach einem "inneren
Stil",
bei dem nicht unnötig Energie vergeudet wurde.
So beobachtete er einen Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich,
der ihn lehrte, wie das Weiche das Harte besiegt. Auf der Grundlage
dieses Prinzips entwickelte er die "Dreizehn Grundstellungen und
Bewegungsformen".
"Innere Kunst" meinte nicht nur die Bevorzugung sanfter Bewegungsweisen,
sondern ebenfalls den Einsatz innerer Energie ("Chi"),
welche es über Meditation in Bewegung zu aktivieren gelte.
Muskelkraft müsse im Lernprozess des Sich-Übenden zunehmend
durch
den Einsatz von "Chi" abgelöst werden.
Energieströme, die das gesamte Universum pulsierend durchziehen,
seien ebenfalls im Mikrokosmos Mensch vorhanden und könnten
von diesem aktiviert und gelenkt, also auch in der Kampfkunst eingesetzt
werden.
(Eine mehr oder weniger wahre Geschichte aus jüngerer
Zeit:)
Nach Jahrhunderten des Bewahrens und Schützens der
geheimen Lehren
war es ein junger Rebell der das Tai Chi Chuan verbesserte und
für mehr Menschen zuganglich machte.
Yang Lu-Chan war ebenfalls Meister der äußeren Künste
und hörte von den außerordentlichen Fähigkeiten und
geheimen Praktiken der Familie Chen.
Der damals bekannteste Lehrer des Chen-Clans war
Chen Chang-Hsing (1771-1853).
Da Yang Lu-Chan wusste, dass er als Fremder keine Chance hatte, von
Cheng Chang-Hsing unterrichtet zu werden, schlich er sich
als angeblich taubstummer Diener in den Haushalt der Familie ein.
Jahrelang soll er heimlich die Übungen der Familienmitglieder beobachtet
und nachts in seiner Kammer geübt haben.
Er wurde nach vielen Jahren heimlichen Übens entdeckt,
aber aufgrund seiner hochentwickelten Fähigkeiten vom Meister
als Schüler aufgenommen.
Yang Lu Chan ist es als erstem zu verdanken, dass das
Tai Chi Chuan
einem größeren Personenkreis zugeführt wurde.
Er wurde Begründer des Yang-Stils, den er auch in Peking
öffentlich zu unterrichten begann.
Ist der Chen-Stil neben den sanften, fließenden Bewegungen auch
durch
schnelle und sprunghafte Bewegungsweisen gekennzeichnet,
so beanspruchte Yang Lu-Chan, das Tai Chi Chuan wieder
auf seinen Urahnen Chang San Feng zurückgeführt zu haben.
Er entwickelte eine zusammenhängende Folge kampfähnlicher
Bewegungen
("Gro§er Rahmen"), die im ununterbrochenen Bewegungsfluss
ausgeführt werden.
(Heutige Entwicklungen :)
Während früher die Selbstverteidigung stärker im Vordergrund
stand,
rückte später der Gesunheitsaspekt im Tai Chi Chuan immer
mehr in den Vordergrund, und der Kampfaspekt verlor zunehmend an Bedeutung.
Das regelmäßige und richtige Üben
der "Form" führt nachweislich
zu verschiedenen positiven Einflüssen auf den Gesundheitszustand
des Menschen.
Daher wird heute Tai Chi vorwiegend unter dem Gesundheitsaspekt ausgeführt,
der Kampfaspekt wird nur noch vereinzelt praktiziert.
Angriffen auf die Gesundheit - verursacht durch einseitige
Arbeitstätigkeiten, Bewegungsmangel, psychische Belastungen und
ähnliches
wurde mit systematischen Bewegungsübungen begegnet.
In diesem Sinne ist die Bedeutungssteigerung des Tai Chi -
auch für unseren westlichen Alltag - zu verstehen.
Neben diesen systematisch geordneten Bewegungsfolgen, den "Formen",
gibt es noch Tai Chi Chuan als Selbstverteidigung,
auch wenn es als solche nur noch von wenigen ausgeübt wird.
Schwert, Säbel, Stock und Fächerformen sowie
"Push Hands", Tai-Chi-Partnerübungen - gehören zu
dem modernen
Tai-Chi-Übungssystem.
(Spiritualität :)
Es ist durchaus möglich, die Bewegungen des Tai Chi Chuan
formal korrekt zu üben, ohne etwas über den Taoismus zu wissen.
Auch werden einem die Übungen - in der richtigen Technik ausgeführt
-
gut bekommen. Dennoch hat man nur einen Teil des Tai Chi Chuan erfasst.
Das Tai Chi Chuan ist ein spirituelles Bewegungssystem, das einer bestimmten
geistigen Haltung entspricht und auch in diesem Bewusstsein durchgeführt
wird.
Ohne diese spirituelle Dimension ist es eine sehr ästhetische,
sanfte Gymnastik,
mehr nicht!
Diese geistige Haltung darf kein gesteuerter Zugriff
auf etwas sein,
sondern eine Form des Nicht-Handelns. Nicht-Handeln ("Wu Wei",
siehe Dao)
ist wie der träge dahinfließende Strom des Wassers.
Wenn die Hirntätigkeit von hektischen Gedankenströmen
befreit und nur auf
den Bewegungsfluss bezogen ist, kann die Klarheit und Stille entstehen,
die im Tao enthalten ist.
Klarheit und Stille stehen in einem direkten Zusammenhang.
Eine solche Haltung kann man natürlich nicht erzwingen.
Ständiges Wiederholen der Tai-Chi-Form lässt das Absichtsvolle,
das Zielgerichtete allmählich verschwinden - genauso wie das Wasser
dessen steter Tropfen den Stein hölt.
(Philosophie :)
"Tai Chi Chuan ist wie das Wasser. Es rinnt dir durch die Finger,
wenn du es ergreifen willst. Doch hast du deine Hand zur Schale geöffnet,
so findet das Wasser darin seinen Platz.
Etwas erzwingen gegen sein eigenes Wesen, hartes anstatt
weiches Verhalten, Grobheit anstatt Sanftheit führen
zum Gegenteil dessen, was Tai Chi bewirken.
"Leg deine westliche Hast und dein Zugriffsdenken ab,
sonst verfehlst du mit Sicherheit den Sinn".
Tai Chi Chuan ist eine Übung in der Wahrnehmung des Ganzen
über die korrekte Ausführung der Details.
Die traditionelle chinesische Medizin geht von einer Energieform
("Chi") aus,
die für alle Auf- und Abbauprozesse des Lebens verantwortlich ist.
"Chi" ist die universale Energie, die auch im Mikrokosmos
"Mensch" fließt.
In anderen Kulturen hat man diesen energetischen Zusammenhang ebenfalls
erkannt und dafür Namen gefunden (Indien: "Prana", Japan:
"Ki", Griechenland: "Pneuma"). Überall bezeichnet
dieser Begriff Luft, Atem in
Zusammenhang mit der inneren Energie.
Chi charakterisiert die feinstofflichen Energien, die auf Leitbahnen
(chin.: jingluo, 12 - bilateral, 8 - unpaarig) den Meridianen,
im menschlichen Körper zirkulieren.
Tai Chi Chuan ist ein multidimensionales Bewegungssystem,
das man
nicht aus Bücher oder Videos lernt, diese können unterstützend
sein aber
es bedarf der "Kontrollinstanz", des Lehrers.
Asiatische Meister haben oft eine eigenwillige Art der Weitergabe der
Le(e)hre.
Durch interessiertes Nachfragen hat man sich oft schnell unbeliebt gemacht,
da man ja ihre Kompetenz anzweifelt.
Nicht selten bilden auch europäische Lehrer/Meister eine "guruhafte"
Aura aus,
hier hat der Schüler eine Doppelbelastung:
Das Erlernen des Tai Chi Chuan -und die Psychospiele des Lehrers.
Daher ist es nicht ratsam, sich nur an einen Lehrer zu binden, wenn
man tief in das Wushu eindringen möchte (s. Bruce Lee).
Nach all diesen eher theoretischen Bemerkungen, noch
einige Praktische.
Tai Chi hat eine Funktion, es "funktioniert" durch Erlernen
der drei Grundpfeiler :
1. Die Form, mit der Entwicklung von Konzentration und
Meditation.
2. Aufbau der Körperstatik, bezugnehmend auf das Leitbahnsystem
der Akupunktur.
3. Lenkung der Bioenergie (-Chi).
Innerhalb diese Systematik ergeben sich, die auf der vorhergehenden
Seite erwähnten gesundheitlichen Verbesserungen von selbst
(s. auch "Wir über uns" unten re.).
| |
|
|
|
|
zurück
|
 |
|